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Auszug aus "Spielregeln für Paare. Einsichten in Partnerschaftsdynamik mit dem Familien-Stellen nach Bert Hellinger"

Wo ist der Seelenpartner?
Abschnitt:Unerfüllte Eltern – sehnsüchtige Kinder
... Kerstin und Markus haben es nicht schlecht gehabt. Das, was sie erlebt haben, befindet sich im Bereich des Normalen, Gutbürgerlichen. Die Beziehung ihrer Eltern war schwierig, aber nicht ungewöhnlich schwierig.
Konstruieren wir uns doch zum Unterschied einmal ein „ideales“ Paar als Eltern. Das könnte etwa so aussehen: Sie stehen als Mann und Frau gleichwertig nebeneinander. Jeder steht für sich allein, ist erwachsen und trägt seine eigenen Lasten. Kindliche Hoffnungen, Nöte und Bedürfnisse hat er hinter sich gelassen. Und doch sind beide in Liebe und Partnerschaft verbunden. Ihren Kindern können sie ihre ganze Liebe geben, ohne etwas zurück zu verlangen.
Doch dieses Ideal existiert praktisch in Familien selten oder nie. Schauen wir zu den „normalen“ Eltern! Jeder Vater und jede Mutter ist als Kind mit den eigenen Eltern und der Ursprungsfamilie verbunden und trägt die Lasten dort mit. Deshalb konnte es dort nie ganz „klein“ und geborgen sein. Auf diese Weise bringt jeder noch kindliche Bedürfnisse und Sehnsüchte nach Liebe und Geborgenheit mit, die aus der Kindheit stammen. Ein Partner wird damit überfordert. Ein innerer Teil bleibt unerlöst, frustriert und schließt sie voneinander ab.
Hier springen dann Kinder mit ihrer großen Liebe in die Bresche. Sie wollen helfen und die Eltern glücklich sehen. Das sind dann schon, wie beschrieben, die kleinen Tröster und Trösterinnen, die kleinen Buben, die die Mama aufheitern wollen und die kleinen Mädchen, die den Papa verstehen und bemitleiden.
Ich kenne einen äußerst charmanten Mann, der es auf unnachahmliche Weise versteht Frauen Komplimente zu machen und ihr Herz zu gewinnen. Als ich ihn einmal fragte, wie man diese Kunst lernen könne, meinte er: “Da habe ich mit einem dreiviertel Jahr angefangen. Meine Mutter war immer traurig und ich wollte sie von ihrer Traurigkeit wegbringen.“
Die bedingungslose Liebe, die Eltern von ihren Kindern empfangen, ist sicherlich mit ein wichtiger Grund, warum viele Paare eine solche Sehnsucht nach einem eigenen Kind haben. Damit jemand da ist, der liebevoll zu ihnen ist. Sie sind nicht allein sind. Sie haben jemand, dem sie ihr Herz ausschütten können. Kindern werden so zu einer Art Partnerersatz. Das ist eine große Belastung für die Kinder und sie bekommen nicht die Geborgenheit, die sie bräuchten.
Deshalb tragen wir alle noch in uns Wunden aus der Vergangenheit und damit verbundene Schmerzen. Unterdrückter Schmerz wandelt sich um in Sehnsucht, Sehnsucht nach dem, was wir nicht bekommen haben. Es ist wie eine Münze. Auf der einen Seite ist die Sehnsucht. Drehen wir die Münze um, begegnen wir dem Schmerz.
Je größer die Wunde und der Schmerz, desto größer die Sehnsucht und die damit verbundene Blindheit, die Realität wahrzunehmen. Diese Sehnsucht ist unerfüllbar – auch wenn wir es nicht glauben wollen. Aus dieser Sehnsucht heraus projizieren wir wie ein Diaprojektor in unsere Umgebung Vater- oder Mutterbilder auf Männer und Frauen, denen wir begegnen. Diesen Bildern laufen wir dann nach mit der kindlichen Hoffnung, das Vermisste doch noch zu erhalten. Gleichzeitig kann dieser Hunger nicht wirklich gestillt werden, weil wir nicht mehr das Kind sind und keiner uns die tatsächlichen Eltern der Kindheit ersetzen kann.
Wolinsky: „Wenn wir in der Gegenwart versuchen, das zu bekommen, was wir in der Vergangenheit vermisst haben, dann leben wir nicht mehr in der Gegenwart. Wir agieren eine kindliche Illusion aus: wir nehmen unsere kindlichen Verschmelzungserwartungen und projizieren sie auf andere Menschen oder Dinge. Dies ist ein schwacher Versuch zu bekommen, was wir damals wollten – und es entspricht nicht unseren heutigen Bedürfnissen.“
Stellen wir uns einen 25-Jährigen vor, der sich sehr verkümmert fühlt und herausgefunden hat, dass seine Mutter ihn nie gestillt hat. Das ist die alte Wunde, stellt er fest. Seine Mutter, inzwischen 45 Jahre alt, hat noch einmal ein Baby bekommen und kann jetzt Milch geben. Selbst wenn sie, um ihm zu helfen, ihre Brust anbieten würde: Es schmeckt nicht mehr. Die alte Wunde verschwindet dadurch nicht.
Alte Schmerzen bleiben. Deshalb bleibt die Sehnsucht. Irgendwo wartet der Seelenpartner. Irgendwo muss er doch sein! Am deutlichsten ist dieser verklärte Blick im Zustand der ersten Verliebtheit. Plötzlich ist der Kinderglaube da, endlich den Menschen gefunden zu haben, der mich immer verstehen und lieben wird und alle meine Wünsche erfüllen wird.
Was ist die Lösung? Wir müssen die Münze mit der Sehnsucht wieder herumdrehen und uns dem Schmerz stellen. Wenn wir den Schmerz spüren und annehmen, begegnen wir unseren Erfahrungen und damit unserem Leben und uns selbst. Die Sehnsucht nach dem „Seelenpartner“ lässt nach, die Träume verblassen und wir kommen auf dem Boden an.

Den anderen sehen
Zum Schluss eine Aufstellung, die wie im Zeitraffer den Weg zeigt, den ein Paar gehen kann.
Der Klient hat eine neue Liebe gefunden, fühlt sich aber noch sehr unsicher und möchte über eine Aufstellung mehr Klarheit.
Mann und Frau stehen sich gegenüber, recht nah. Der Mann: „Ich bin verliebt!“ Der Frau geht es genauso und sie strahlt ihn an: „Ich bin verliebt!“
Dann äußert sie: „Wenn ich dir so nahe stehe, sehe ich dich nicht so gut und ich möchte dich gerne ganz sehen.“ Sie gehen beide auf ein bisschen mehr Distanz. Jetzt fühlt sich der Mann noch besser, aber auch nicht mehr ganz so verliebt. Auch der Frau geht es gut, aber etwas hat sich geändert. Sie sagt: „Es wird ernst.“
Das berührt den Mann und er äußert: “Auch für mich wird es ernst. Es ist kein Spiel.“ Als sie sagt, wie gut ihr das tut, fügt er hinzu: „Ich bin bereit die rosa Brille abzuziehen und dich zu sehen, wie du bist und mich zu zeigen, wie ich bin.“ Das löst bei ihr Unsicherheit und etwas Angst. Sie meint: „Auch ich bin bereit die rosa Brille abzuziehen und dich zu sehen wie du bist und mich zu zeigen, wie ich bin.“ Anschließend stellt sie fest, dass der zweite Teil, das mit dem Sich-Zeigen nicht gestimmt hat.
Er sagt: „Ich möchte dich gerne sehen, wie du bist und ich freue mich, wenn du bereit bist, dich zu zeigen, wie du bist.“ Sie fragt zurück: „Alles?“ Er: „Alles.“ Sie spürt, dass dies eine ganz tiefe Ebene bei ihr berührt und sagt ihm: „Das gibt es Dinge bei mir, da weiß ich nicht, ob ich sie dir zeigen kann. Das hat nichts mit dir zu tun, sondern nur mit mir.“ Dann wird sie noch deutlicher: „Es gibt Dinge, die ich dir nicht zeigen möchte und ich freue mich, wenn du das achtest.“ Erst wird er etwas traurig, schließlich sagt er: „Ich bin nur ein Mann und du bist nur eine Frau. Mehr nicht. Ich achte es, was du für dich behältst.“ Sie: „Und ich bin dabei, mich auf dich einzulassen.“ Dem stimmt auch er gern zu

Es ist gut, wenn wir in einer Partnerschaft bewusst da anfangen, wo wir sind. Einmal fühlen wir uns groß und überlegen, dann wieder klein und bedürftig und schließlich ebenbürtig und erwachsen. Das gehört alles zum Leben eines Paares. Wir können allmählich bewusster werden, aber es gibt keine Abkürzungen. Es braucht Zeit und Erfahrungen. Wir sind alle auf dem Weg.

Zum Anregen
Übung: Beim nächsten Konflikt mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin gehen Sie in einer ruhigen Minute an einen stillen Platz.
Wenn Sie eine Frau sind: Stellen Sie sich Ihren Partner vor und Ihren Vater. Schauen Sie ein paar mal hin her zwischen beiden Bildern. Suchen Sie die Ähnlichkeiten und die Unterschiede. Dann sagen Sie innerlich zu ihrem Partner: „Du bist nicht mein Vater und ich bin nicht dein Kind. Und ich bin nicht deine Mutter und du bist nicht mein Kind. Du bist nur mein Mann und ich bin nur deine Frau – mehr nicht.“ Spüren Sie dann nach, welche Wirkung das auf Sie und Ihre Einstellung zum Konflikt hat.
Wenn Sie ein Mann sind: Stellen Sie sich Ihre Partnerin vor und Ihre Mutter. Schauen Sie ein paar mal hin her zwischen beiden Bildern. Suchen Sie die Ähnlichkeiten und die Unterschiede. Dann sagen Sie innerlich zu ihrer Partnerin: „Du bist nicht meine Mutter und ich bin nicht dein Kind. Und ich bin nicht dein Vater und du bist nicht mein Kind. Du bist nur meine Frau und ich bin nur dein Mann – mehr nicht.“ Spüren Sie dann nach, welche Wirkung das auf Sie und Ihre Einstellung zum Konflikt hat.
Übung: Gehen Sie an einen Ort, wo Sie ungestört sind und nehmen Sie sich Zeit folgenden Satz wie eine Art Angel auszuwerfen und geduldig zu warten. Werfen Sie die Angel ab zu erneut aus, indem sie den Satz für sich wiederholen.
„Ich tue alles, um meinen Herzschmerz nicht zu spüren - koste es, was es wolle.“

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