Home

Zur Person

Angebote

 


Bücher

Auszug aus „Inneren Frieden mit den Eltern finden. 7 Schritte zur Versöhnung.“

Warum Eltern so wichtig sind
In meiner Arbeit habe ich eine interessante Beobachtung gemacht: Jeder von uns hat eine bestimmte Grundeinstellung zum Leben. Vielleicht kann er sie nicht einmal formulieren, weil sie so in Fleisch und Blut übergegangen ist. Manche Menschen strengen sich enorm an, weil sie das Leben so fordernd finden. Andere sind gierig und wollen mehr und immer noch mehr vom Leben. Die dritten haben unentwegt Ansprüche und fordern vom Leben. Wieder andere sind frustriert und enttäuscht, weil das Leben ihre Wünsche und Träume nicht erfüllt. Schließlich gibt es Menschen, die dankbar gegenüber dem Leben sind, weil sie sich von ihm getragen fühlen.
Meist entspricht die Einstellung gegenüber dem Leben der grundlegenden Einstellung gegenüber den eigenen Eltern. Wer sich im Leben anstrengt, hat sich früher als Kind für seine Eltern anstrengen müssen. Wer gierig ist, hat das Gefühl, nicht genug als Kind bekommen zu haben. Frustriert vom Leben ist jemand, weil er von seinen Eltern enttäuscht ist. Und wer dankbar ist gegenüber dem Leben, wird auch dankbar gegenüber seinen Eltern sein.
Deswegen gibt es einen einfachen - wenn auch nicht immer leicht zugehenden! - Weg, um zu einer positiveren Lebenseinstellung zu kommen: Ändern Sie Ihre Haltung gegenüber Ihren Eltern!
Denn Eltern sind aus dem einem Grund wichtig: Ohne unsere Eltern gäbe es uns nicht! Das ist die Antwort im Kern. Wir leben, weil das Leben durch unsere Eltern zu uns gekommen ist. Sie sind unser Tor zum Leben.

Wann ist jemand in Frieden mit seinen Eltern?
Da mag jemand schon lang aus dem Elternhaus ausgezogen sein, eigene Kinder haben und scheinbar ganz und gar abgenabelt sein. Und doch tauchen schnell Spannungen auf, wenn er oder sie die Eltern besucht, mit ihnen länger telefoniert oder auch nur an sie denkt.
Eltern können unheimlich nerven. Da reichen dann ein bestimmter Seitenblick, ein kleines Wort oder auch nur ein bestimmter Tonfall, damit das (schon längst erwachsene!) Kind beinahe ausrastet und sich nur mühsam beherrscht. Außenstehende wundern sich über die heftigen Reaktionen, denn von außen betrachtet wirkt die Szene harmlos. Aber dieser plötzliche Ärger hat meist eine lange Geschichte, die bis in die Kindheit zurückreicht. Deshalb reicht ein kleiner Auslöser – und schon fällt jemand wieder Jahrzehnte zurück.
Wenn jemand sich mit seinen Eltern versöhnt, gibt es bestimmte Entwicklungsstufen. Je älter jemand ist, desto weiter mag er schon gegangen sein, sich in einer guten Weise abzulösen.
Auf der ersten Stufe steht das brave und angepasste Kind, sozusagen das Musterkind, auf das die Eltern stolz waren oder sind und um das sie andere Eltern beneiden. "Was haben Sie für ein Glück mit Ihrem Kind! Wenn ich da meines anschaue!!"
So ein Kind weiß sich von seinen Eltern geschätzt und geliebt. Gleichzeitig bezahlt es einen hohen Preis für diese Liebe und Anerkennung. Denn es verzichtet auf alle Wünsche und Impulse, die den Eltern nicht gefallen könnten. (Und jedes Kind hat solche Neigungen und Sehnsüchte.) In der Tiefe gibt es deshalb einen Groll gegenüber den Eltern. Es wird ja nicht als reale Person geliebt, auch mit seinen Mängeln und Schwächen, sondern nur als das Bild, das sich die Eltern von ihm machen.
Auf der nächsten Stufe erlebt jemand den Unfrieden offen, weil er oder sie1 in ständigem Konflikt mit den Eltern steht. Dieses Kind lehnt die Werte, die Art der Lebensführung, die Ideen, die gedankliche Welt der Eltern, ihre Ansprüche und Forderungen scharf ab. Es zeigt den eigenen Ärger, rebelliert und widersetzt sich ihren Ansprüchen. Bisweilen führt das zu endlosen, sich immer wiederholenden Auseinandersetzungen, fast wie ein ritueller Schlagabtausch. Im Grund ist der Streit unfruchtbar, aber er geschieht wie unter einem inneren Zwang.
Auf der nächsten Stufe wird der Kontakt abgebrochen. Das kann äußerlich oder innerlich geschehen. Es war einfach zu viel gewesen! Man ist der alten Auseinandersetzungen müde, ein Stück weit resigniert und erkennt die Sinnlosigkeit. Und nun ist es heilsam, ja eine Befreiung, aus den alten Kämpfen auszusteigen. Ein großes Schweigen breitet sich aus. Einfach Abstand nehmen, um zur Ruhe zu kommen! Es mag schmerzhaft sein, aber es ist notwendig für den eigenen Seelenfrieden.
Dann gibt es die Stufe, bei der das Kind wieder eine gute Form des Umgangs mit den Eltern gefunden hat. Manches, woran man sich früher gerieben hat, wird jetzt toleriert. Die Resignation, dass die Eltern sich ja doch nicht mehr ändern werden, puffert alten Ärger ab. Etwas von der ursprünglichen Liebe darf sich wieder zeigen. Trotzdem mögen sich noch manche unerfüllte Wünsche im Inneren verstecken. Da mag noch die alte Sehnsucht sein, etwas Bestimmtes von den Eltern zu hören. Vielleicht ein Satz wie "Du bist schon richtig." Oder: "Ich bin stolz auf dich." Oder auch "Ich habe früher Fehler gemacht. Entschuldigung." Es kann auch nur der Gedanke sein: Wenn Vater oder Mutter doch einmal wirklich offen und herzlich sein könnten!
Auf der letzten Stufe ist jemand ganz in Frieden mit den Eltern. Die Eltern dürfen so bleiben wie sie waren oder sind. Das Kind liebt genau diese Eltern, die es hatte und hat. Mit allem.
In den folgenden Kapiteln spreche ich meist so, als ob die Leserinnen und Leser bei beiden Eltern aufgewachsen wären. Aber von diesem Normalfall, gibt es viele Ausnahmen. Vielleicht wächst ein Kind nur bei einem Elternteil auf, weil der andere gestorben ist oder weil die Eltern sich getrennt haben. Oder jemand ist von der Mutter gleich nach der Geburt zur Adoption freigegeben worden. Schließlich tauchen im Zeitalter der Reproduktionsmedizin ganz neue Varianten auf. Was ist, wenn jemand von einem anonymen Samenspender gezeugt worden ist?
Wenn Sie als Leserin oder Leser sich außerhalb des "Normalfalls" finden, lade ich Sie ein, bei der folgenden Lektüre das aufzunehmen, was für Sie passt, und das andere einfach zu überlesen. Die Übungen auf der CD sind auf die ursprüngliche Beziehung zu den Eltern abgestellt, unabhängig von den persönlichen Familienverhältnissen.


zum Seitenanfang zurück
zurück