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Auszug aus "Erfolgstraining – nicht nur für Manager. Mit NLP und Mentalem Training zu beruflichem Erfolg und innerer Zufriedenheit"

Innere Konflikte
Herr Roth ist beruflich sehr engagiert. Er hat einen verantwortlichen Posten und ist voller Begeisterung bei seiner Arbeit. Seit fünf Jahren ist er verheiratet und das junge Paar hat zu seiner großen Freude ein zweijähriges Töchterchen.
Fast jedes Wochenende taucht für Roth das gleiche Problem auf. Weil er an seinem hektischen Arbeitsplatz immer wieder gestört wird, hat er oft am Samstagnachmittag den Wunsch, noch ein Stück weiter an seinen neuen Projekten zu arbeiten. Gleichzeitig ist die Sehnsucht da, etwas gemeinsam mit der Familie zu unternehmen und sein Familienleben zu genießen. Herr Roth möchte auch den Kontakt mit dem Töchterchen pflegen und die Partnerin nicht verletzen. Meist kann er den Konflikt nicht lösen, sondern wird zu seinem Opfer. Roth gelingt nichts richtig. Entweder er sitzt mit schlechtem Gewissen an seinem Schreibtisch und arbeitet ohne großen Erfolg an den Projekten, oder er widmet die Zeit halbherzig der Familie, und ständig gehen ihm Ideen zu seinen Projekten durch den Kopf


Jeder von uns kennt solche zunächst scheinbar unlösbaren Konflikte im Spannungsfeld zwischen Beruf und Familie, zwischen Karriere und Selbstverwirklichung oder einfach zwischen zwei gleichstarken Wünschen.
Die Konflikte entstehen dadurch, dass die unterschiedlichen Wünsche sich gegenseitig ausschließen. Normalerweise lösen wir den Konflikt nicht, reiben uns in ihm auf. Hin und her gerissen zwischen den verschiedenen Wünschen, tun wir weder das eine noch das andere richtig. Vielleicht flüchten wir uns dann vor den Fernseher, ins Illustriertenstudium oder in den Alkohol. Jeder hat da seine Lieblingstechnik. Das Ergebnis ist Lustlosigkeit, schlechte Laune und Unzufriedenheit .
Mentales Training kann dazu benutzt werden für innere Konflikte individuelle Lösungen zu entwickeln. Bildhafte Vorstellungen werden dabei entwickelt und genutzt. Jede dieser unterschiedlichen Richtungen lassen wir mental zu einer Person mit eigenen Zielen werden. Diese Personen erarbeiten dann in unserem Geiste tragfähige Lösungen. Diese aus dem NLP stammende, von Robert Dilts entwickelte Technik erfordert einen gewissen Aufwand an Engagement, Konzentration und Zeit. Kein Wunder, denn unsere inneren Konflikte binden eine gewaltige Menge an Energie. Es ist in einem Seminar sicherlich einfacher, die Technik konsequent unter Anleitung durchzuführen, aber mit der nötigen Konzentration wird ihnen das auch allein zu Hause gelingen.
Sie können die einzelnen Schritte verfolgen, die Roth geht und die seinen Konflikt zwischen Arbeit und Familienleben mit Hilfe dieser Technik klären und lösen.

Wieder an einem Samstagnachmittag erlebt Roth, wie frustrierend es für ihn ist zwischen Familie und seinem nächsten Projekt hin und her zu schwanken. Er beschließt die Technik zur Konfliktlösung auszuprobieren. Er verschließt die Tür zu seinem Arbeitszimmer, nimmt sich Stift und Papier für die Notizen zwischendurch auf den Schoß und setzt sich in seinen Lieblingssessel. Dort atmet er tief alle Spannungen des Nachmittags aus und entspannt sich erst einmal für ein paar Minuten. Dann geht er die Schritte in der vorgeschlagenen Reihenfolge durch. Zu seiner Überraschung erlebt er, wie plastisch und lebensnah sich schnell die Bilder und inneren Gespräche entwickeln.

Schritt 1
Jeder Konflikt hat (mindestens) zwei Seiten, A und B. Wenn diese Seiten verkörpert wären (durch einen Teil von Ihnen selbst, durch eine andere Person oder auch durch ein Symbol)
Wie würden diese Seiten als zwei Personen aussehen?

Jeder von uns kennt die Zerrissenheit zwischen zwei gleichstarken Wünschen. Auch hier kann das Mentale Training helfen, bildhafte Vorstellungen zu entwickeln. Dabei wird jeder Wunsch zu einer Person.

Roth sucht nach zwei Personen, die diese berufliche und private Seite in ihm verkörpern. Zwei Bilder tauchen auf. Ein Bild, wie er an seinem Arbeitsplatz voller Schwung und Elan an seinem neu-esten Projekt arbeitet („Berufs-Roth“ tauft er diesen Teil), und ein anderes Bild, wie er (als „Privat-Roth“) freudestrahlend mit seiner Frau an der Hand und mit dem Töchterchen auf dem Arm spazieren geht

Schritt 2

In der Vorstellung begegnen sich A und B und nehmen Kontakt miteinander auf. Die beiden sprechen offen aus, was sie voneinander halten.

„Ich finde, du störst mich einfach zu viel, sagt Berufs-Roth zum Privat-Roth."Ich brauche Ruhe und Konzentration für meine Arbeit, und die hätte ich so gut am Samstag, aber du kommst immer dazwischen und bist nervig. Du willst dich einfach h nnuuii immer hängen lassen.“ Privat-Roth sieht das ganz anders: „Kannst du dein Büro nicht im Büro lassen und mir wenigstens das Wochenende ganz und gar lassen? Als ob fünf Tage nicht genug für die Arbeit wären! Du bist auf dem besten Weg zum Workaholic. Glaubst du, du findest jemals mehr Zeit für deine Familie, wenn du so weitermachst?“

Schritt 3

Jede der beiden Personen A und B hat bestimmte Ziele und Werte. In den eigenen Augen jeder Person sind diese Werte wichtig und erfüllen einen positiven Zweck. Diese Werte teilen sie sich gegenseitig mit.

„Ich arbeite einfach gern“, sagt Berufs-Roth. „Ich finde es toll, wenn ich sehe, dass ich in meiner Firma etwas bewirke und meine Abteilung zur effektivsten im ganzen Haus mache. Und außerdem will ich vorwärts kommen, mehr Einfluss bekommen und mehr Gehalt, auch für die Familie, damit wir uns etwas gönnen und das Leben genießen können. Ich denke an unsere gemein-same Zukunft und sorge dafür.“ Privat-Roth sagt:. „Ich möchte einfach ich selbst sein, gemocht werden, ohne dass ich etwas leisten muss. Ich brauche einfach die Wärme und den Kontakt mit meiner Frau und meiner Tochter Ich spiele gern mit meiner Tochter und genieße es, wenn ich Zeit für meine Frau habe.“

Schritt 4

Weder A noch B erreichen ihre Ziele. Ganz einfach aus dem Grund, weil der andere Teil immer wieder stört und destruktiv dazwischenfunkt. Denn jeder von beiden ist stark genug, den anderen zu sabotieren.

In diesem Schritt erkennen beide noch einmal genau, wie sie sich gegenseitig blockieren. Berufs-Roth meint. „ich will einfach an meinen Projekten weiterarbeiten, das ist wichtig für die Zukunft. Und wenn du dann mit der Familie spazieren gehst, schicke ich dir einfach immer wieder neue Ideen, so dass du lieber am Schreibtisch wärst und den Spaß am Spaziergang verlierst " -“Und ich“, meint Privat-Roth, „schicke dir immer ein Bild von deiner Frau und deinem Kind mit traurigen Augen. Dann hast du am Schreibtisch ein schlechtes Gewissen und kannst dich nicht konzentrieren.“

Schritt 5

Jede dieser beiden Personen besitzt wichtige Qualitäten und Fähigkeiten, die der anderen fehlen und je nach Situation nützlich sind.

Berufs-Roth stellt fest. „Ich habe viel Einsatz und Kraft, um etwas zu verändern. Ich denke an die Zukunft und sorge dafür dass die materielle Basis stimmt. Ich trage Verantwortung, dass es in einer Familie gut geht.“ Privat-Roth hingegen findet. „Ich bin kontaktfreudig, bin weich und gefühlvoll, spiele und genieße gern.“

Schritt 6

Jeder der beiden Kontrahenten möchte seine Ziele erreichen und verwendet dazu seine ganzen Fähigkeiten. Aber vielleicht könnten die Fähigkeiten und Qualitäten des anderen Teils auch für die Erreichung der eigenen Ziele nützlich sein.

Im nächsten Schritt überlegt Berufs-Roth lange, wann und wie ihm die Qualitäten von Privat-Roth nützlich sein konnten. Schließlich meint er: „Manchmal im Umgang mit Kollegen und Mitarbeitern könnte es schon hilfreich sein, mehr Verständnis und Gefühl für den anderen zu haben. Ich bin schon als schroff und karrieregeil abgestempelt, nur weil ich in Gesprächen immer gleich auf den Punkt kommen will und keine Zeit für überflüssige Kaffeepausen habe. Aber so hin und wieder einmal einfach nur eine Plauderei genießen, das wäre auch für das Arbeitsklima besser Und ich wäre eben einfach manchmal entspannter und umgänglicher Im Endeffekt wirkt sich das sogar positiv auf die Gesamtleistung aus.“
Privat-Roth braucht noch länger für seine Überlegungen, wann und wie die Qualitäten von Berufs-Roth ihn bereichern könnten. A1so, so an den Wochenenden, wenn es uns ganz gut geht, da brauche ich nichts von dieser Energie. Leider ist es aber nicht immer so harmonisch. In der letzten Zeit ist manchmal meine Frau so unzufrieden, weit ich beruflich so eingespannt bin. Aber wir wollen uns nicht unsere wenige Zeit kaputtmachen dadurch, dass wir streiten. Deswegen vermeiden wir beide das Thema.
Aber das Klima zwischen uns ist trotzdem gestört. Hier wäre diese Kraft und Energie ganz nützlich. Dass wir einfach einmal die Karten auf den Tisch legen, sehen wo wir stehen und wo wir gemeinsam hinwollen. Und auch für die Zukunft planen, wie wir das erreichen. Das könnte die Basis für unser Privatleben solider machen. Damit es wieder harmonisch wird und ich mehr genießen kann. „

Schritt 7

Der Boden ist vorbereitet für einen neuen Schritt beider bishe-rigen Gegner. Nachdem jeder die Stärke des anderen erkannt hat und darüber hinaus herausgefunden hat, wie nützlich die andere Person sein kann, ist es Zeit für Verhandlungen. Wie könnte ein Abkommen aussehen, dass beiden hilft, die eigenen Ziele besser zu erreichen? Voraussetzung dabei ist, dass das Abkommen fair ist, keiner untergebuttert wird und jeder von beiden bereit ist, sich an seinen Teil zu halten.

„Wie könnte ein faires Abkommen aussehen, mit dem wir beide zufrieden sind?“ Mit dieser Frage sitzen sich die beiden jetzt gegenüber Zunächst sondieren sie noch konkrete Bedürfnisse. "Ich sehe ja ein, dass es kein guter Dauerzustand ist, am Samstag noch Arbeit mit nach Hause zu nehmen“, meint Berufs-Roth. ,Aber im Moment sitze ich an dem neuen Vertriebskonzept. Das ist ganz wichtig für meine Abteilung und auch für meine Zukunft in der Firma. Das möchte ich gern gut abschließen. Könntest du mich da nicht unterstützen und mir Zeit geben?“ Privat-Roth hat ein anderes Problem: „Es ist ja nicht so, dass du mir nur am Wochenende zuwenig Zeit gibst. Auch unter der Woche kommst du jeden Abend später heim, den Kopf voll mit dem Büro. Auch das ist kein guter Zustand!“ Hin und hergeht der Austausch. Beide suchen nach einer Lösung, die sie befriedigt.
Schließlich haben sie Erfolg und einigen sich auf die nächsten Schritte. Berufs-Roth wird Privat-Roth unterstützen, ein klärendes Gespräch mit Frau Roth zu führen und ihr dabei folgende Vorschläge zu machen: Herr Roth will in Zukunft jeden Mittwoch schon um 16.30 pünktlich nach Hause kommen und dann gemeinsam mit der Familie etwas unternehmen. Auf lange Sicht will er am Wochenende keine Arbeit mehr mit nach Hause nehmen. Dafür hätte er gern von Frau Roth eine Gegenleistung. Bald sind die drei Wochen Jahresurlaub, die Herr und Frau Roth noch planen. Herr Roth möchte die ersten drei Tage ganz für sich, am besten außerhalb, um in Ruhe an dem Vertriebskonzept zu basteln. Und dann braucht er das nächste Vierteljahr den ersten Samstagnachmittag im Monat, um das Konzept, das in der Praxis erprobt wird, zu optimieren. „Und ich werde dich unterstützen“, meint noch Privat-Roth, „wenn du am Montag das schwierige Beurteilungsgespräch mit deinem ältesten Mitarbeiter führen musst.“ Beide versprechen sich als Gegenleistung, den anderen nicht mehr zu stören und zu blockieren.

Schritt 8

Jetzt können die beiden sich näher kommen, so nah, wie es für sie richtig ist. Vielleicht möchten die bisherigen Gegner sich die Hände schütteln oder sich sogar umarmen.
Manchmal steht der große Schritt an, dass beide bereit sind, ihre beiden Qualitäten in einer einzigen Person zu integrieren. Beide verschmelzen und lösen sich auf in einer Person, die die Fähigkeiten und Qualitäten beider Ichs in sich harmonisch vereinigt und je nach Situation zur Verfügung hat.

„Das könnte hinhauen“, meinen die beiden Roths nach der erfolgreichen Verhandlung und schauen sich zufrieden an. Beide besiegeln das Abkommen, indem sie sich die Hände schütteln.
Herr Roth stellt sich als letztes ein Bild von sich vor, wie er wäre, wenn er die Qualitäten beider Teilpersönlichkeiten harmonisch in sich integriert und je nach Situation alle Verhaltensmöglichkeiten zur Verfügung hätte. „Das ist die Richtung, in die ich will“, sagt er sich, als er dieses Bild von sich sieht, das gleichzeitig kraftvoll und entspannt ist


Vielleicht scheint Ihnen dieses Erleben von Roth unmöglich oder unwahrscheinlich. Aber Sie sehen an diesem Beispiel aus der Praxis, wie faszinierend unser Innenleben ist, wenn wir die mentalen Fähigkeiten geschickt nutzen. Es scheint hier so, dass beide Personen ganz und :gar unterschiedliche Charaktere besitzen und deshalb sogar in der Lage sind, in unserer Vorstellung ernsthaft miteinander zu verhandeln und sinnvolle Lösungen zu entwickeln. Deswegen braucht es uns auch nicht zu wundern, dass ihr Konflikt so massiv ausgetragen wurde und so lähmend war.
Wichtig bei der Anwendung dieser Technik ist es, dass Sie die Bilder für die Teile akzeptieren, die vor dem inneren Auge erscheinen. Es mögen Phantasiegestalten sein, tatsächliche Personen oder auch Symbole. So hat einmal ein Seminarteilnehmer ein Quadrat und einen Kreis als Verkörperung der beiden Seiten gesehen und ist auch mit diesen geometrischen Figuren zu Verhandlungen gekommen.
Als tatsächliche Person hätte zum Beispiel bei Herrn Roth als Verkörperung der privaten Seite seine Frau erscheinen können. In einem solchen Fall ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass es auch hier eine Verkörperung des eigenen Teils ist. Es ist nicht die reale Frau, die in der Phantasie dem Berufs-Roth Vorwürfe macht (auch wenn es schon tatsächlich gehörte Vorwürfe sind), sondern es ist der eigene Teil, der "Privat-Roth", verkörpert durch seine Frau. Dabei kann ein innerer Konflikt sich durchaus mit einem äußeren decken.
Nehmen Sie sich mindestens eine halbe Stunde ungestörte Zeit für diese Übung. Vertrauen Sie sich dabei Ihren Phantasien an. Nutzen Sie die Übung für einen inneren Konflikt, der Sie manchmal oder häufig bewegt. Es kann Ihr größter innerer Zwiespalt sein - oder auch ein kleines Problem, mit dem Sie sich ab und zu herumschlagen.

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